Publikationen (Auswahl)

2017 - G20: Wer sind die Täter?

Die brennenden Barrikaden anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg waren noch nicht gelöscht, da folgten schon die Gewissheiten. Die Autonomen waren es. Der Mob war es. Die Ausländer waren es. Sogar Randalierer aus "Putins Reich" wurden als Schuldige ausgemacht. Aber was weiß man wirklich über die Täter? Wer hat Hamburg an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht? Wer hat die Vorlage für eine hysterische Debatte im ganzen Land geliefert? Die Wahrheit, die hinter der G20-Gewaltorgie steckt, ist vielschichtig.

ARD, Panorama
17 Min.
20. Juli 2017 21:45 Uhr
Autoren: Djamila Benkhelouf, Ben Bolz, Robert Bongen, Stefan Buchen, Johannes Edelhoff, Fabienne Hurst, Johannes Jolmes, Jasmin Klofta, Pia Lenz, Anna Orth, Andrej Reisin, Anne Ruprecht, Christian Salewski, Nino Seidel und Tina Soliman

Reporter von "Panorama" haben in den letzten Tagen zahlreiche Interviews mit Tätern, aber auch sogenannten Trittbrettfahrern geführt. Sie sprachen in Spanien mit militanten Autonomen, die sich wochenlang auf den G20-Gipfel vorbereitet haben, und mit Plünderern der Hamburger Geschäfte, die bedauern, nicht mehr erbeutet zu haben. Erstmals ist es dem Reporterteam auch gelungen, russische Beschuldigte zu sprechen. Sie weisen jede Gewaltbeteiligung von sich und bezeichnen sich als Filmemacher. Es ist ein vielschichtiges Bild, das diese "Panorama"-Reportage zeichnet. Und gleichzeitig ist es konkret, weil es auf politische Reflexe verzichtet.


Weitere Veröffentlichungen zur Recherche:

Die G20-Täter
Panorama - die Reporter
30 Min.
24. Juli 2017
Autoren: Djamila Benkhelouf, Ben Bolz, Robert Bongen, Stefan Buchen, Johannes Edelhoff, Fabienne Hurst, Johannes Jolmes, Jasmin Klofta, Pia Lenz, Anna Orth, Andrej Reisin, Anne Ruprecht, Christian Salewski, Nino Seidel und Tina Soliman

Gekommen, um zu zerstören - Miliante Gruppe aus Spanien beim G20
Wenig ist bekannt über die Randalierer der G20-Krawalle. Im Netz gibt es Bilder einer militanten Gruppe aus Spanien, die dabei war. Im Interview erklären sie, dass sie in Hamburg gegen das "faschistische, kapitalistische" System protestieren wollten. Ideologisch knüpften sie an die RAF an.

Von Jasmin Klofta und Anne Ruprecht
tagessschau.de, 20. Juli 2017




2017 - Die Rausschmeißer

Irgendwann wurde es ihm zu viel. Jahrelang hatte er unter anderem Namen gelebt, an immer anderen Orten, mit immer neuen Legenden. Jahrelang hat er seinen Opfern übel mitgespielt. Der Mann war Detektiv, wurde in Unternehmen eingeschleust, wenn kapitalkräftige Arbeitgeber unliebsame Betriebsräte mit offenbar illegalen Methoden loswerden wollten. Doch irgendwann konnte er nicht mehr.

Die Rausschmeißer - Feuern um jeden Preis (Exclusiv im Ersten)
30 Min.
04. Juli 22:00 Uhr
Autoren: Jasmin Klofta, Willem Konrad, Antonius Kempmann, Reiko Pinkert, Kersten Mügge
Reporter: Christoph Lütgert
Kamera: Willem Konrad, Eike Nerling, Andrzej Krol
Grafik: Fritz Gnad
Schnitt: Willem Konrad, Marc Peschties
Musik: Martin Glos und Christian Ziegler (Isola Music)


Jetzt sitzt er in einem Hamburger Loft und wird für seinen Auftritt vor der Kamera maskiert. Damit ihn niemand erkennt. Denn er will ein neues Leben beginnen. Und auspacken. Darüber wie er unliebsame Arbeitnehmer regelrecht in Fallen gelockt, ihnen falsche Aussagen oder sogar Gewalt-Taten angedichtet hat.

In vielen seiner Aufträge spielte offenbar der bekannte Rechtsanwalt Helmut Naujoks eine Rolle. Der bekannte Rechtsanwalt, der sich öffentlich damit brüstet, er vertrete nur Arbeitgeber und könne bewirken, dass auch eigentlich unkündbare Betriebsräte ihren Job verlieren, immer "im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten", wie Naujoks behauptet.

Die Aussagen des ehemaligen Detektivs lassen daran Zweifel aufkommen. Er erzählt wie er jahrelang mit Anwalt Naujoks zusammengearbeitet hat, wie er unter anderem als Agent Provokateur agiert und mit Wissen von Naujoks Äußerungen von Betriebsräten bezeugt habe, die so nie gefallen seien. Um Kündigungsgründe zusammen zu bekommen, habe man sich sogar belastende Vorfälle ausgedacht und die den jeweiligen Opfern zugeschrieben, damit die dann gefeuert werden konnten.

Dem Rechercheteam von NDR, WDR und SZ wurde umfangreiches Datenmaterial zugespielt: Dokumente, Verträge, Rechnungen, interne Kommunikation. Es bestätigte die Abläufe, die der Detektiv schilderte. Zwar gibt es keinen Beweis, dass Naujoks über alle schmutzigen Methoden der Detektive Bescheid wusste. Es fanden sich aber deutliche Indizien dafür, dass der Anwalt und sein Netzwerk im Auftrag von Arbeitgebern mit indiskutablen Mitteln kämpfen.

So wie im Fall eines Pflegeheims in Bad Nauheim, wo man zwei Betriebsrats-Frauen loswerden wollte. Hier wurde der Informant, zusammen mit anderen Detektiven, als vermeintliche Aushilfskräfte eingeschleust. Sie hätten in Absprache mit der Heimleitung kompromittierende Situationen geschaffen, um Kündigungsgründe zu schaffen. So wurde einer Betriebsrätin wahrheitswidrig angelastet, sie habe Alkohol am Arbeitsplatz getrunken, was streng verboten war; einer anderen Betriebsrätin sei mit einer falschen Zeugenaussage angedichtet worden, sie habe einem Kollegen ins Gesicht geschlagen. E-mails der Heimleitung, die NDR, WDR und SZ vorliegen, nähren den Verdacht, dass Anwalt Naujoks über die Vorgänge informiert wurde. Vor der Ausstrahlung wollte sich die Heimleitung nicht äußern. Später erklärte sie gegenüber dem NDR, dass sie mit Naujoks zusammengearbeitet habe, er die Detektive zur Bedingung einer Zusammenarbeit gemacht habe und sie die Beautragung nachträglich bedauere.

Naujoks selbst hatte dem NDR erst ein Interview zugesagt, diese Zusage dann aber wieder zurückgezogen. Eine von ihm beauftragte Hamburger Kanzlei erklärte, der Einsatz von Detektiven könne als das letzte Mittel geboten sein. In keinem Fall habe Naujoks wissentlich daran mitgewirkt, mit Hilfe von rechtswidrig provozierten oder vorsätzlich unwahren Sachverhalten Kündigungen durchzusetzen. Zudem könne er über konkrete Mandanten keine Auskünfte erteilen.

 Weitere Veröffentlichungen zur Recherche:

"Wie Chefs unkündbaren Mitarbeitern Fallen stellen"
Süddeutsche Zeitung, Seite 3, 5. Juli 2017
Von Nicolas Richter, Antonius Kempmann, Jasmin Klofta, Reiko Pinkert und Uwe Ritzer

Rausschmeißer vom Dienst
NDR Info- Das Forum, 04. Juli 2017, 20:30 Uhr, 30 Min.
Von Kersten Mügge, Jasmin Klofta, Antonius Kempmann, Reiko Pinkert und Willem Konrad.

Arbeitgeber bekämpfen ihre Betriebsräte mit geradezu kriminellen Methoden. Und Anwälte helfen ihnen dabei" - Christoph Lütgert kommentiert "Die Rausschmeißer".

Fertiggemacht vom eigenen Chef
Süddeutsche Zeitung, 05. Juli 2017
Von Uwe Ritzer

Klientin geht auf Distanz
NDR Info, 10. Juli 2017
Von Kersten Mügge

Der Rausschmeißer
Süddeutsche Zeitung, 10. Juli 2017
Von Uwe Ritzer


2017 - #globalblacklist - Viele Unschuldige auf "scharzer Liste" der Finanzindustrie

Exklusive Recherche von Süddeutscher Zeitung und NDR gemeinsam mit internationalen Partnern zeigt massive Probleme in der Auskunfts-Datenbank World-Check auf

Es ist ein seltener Einblick in einen sonst streng gehüteten Datenschatz – und er ist besorgniserregend: Viele unschuldige Menschen und Organisationen finden sich in der World-Check-Datenbank, mit der Banken sich gegen potenziell gefährliche Kunden schützen. Das zeigt eine gemeinsame Recherche von Süddeutscher Zeitung und NDR gemeinsam mit der Times of London (Großbritannien), NPO Radio 1 (Niederlande), De Tijd (Belgien), La Repubblica (Italien) und The Intercept (USA). Sie  hatten nun erstmals umfassenden Einblick in einen World-Check-Datensatz mit mehr als zwei Millionen Profilen mit Stand aus dem Jahr 2014, auf den der amerikanische Sicherheitsexperte Chris Vickery vergangenes Jahr auf einem Internet-Server gestoßen war.

Die World-Check-Datenbank ist ein Dienst des weltweit agierenden Informations- und Medienkonzerns Thomson-Reuters und eines von nur wenigen großen Angeboten für Informationen über potenziell problematische Kunden für Banken und Finanzdienstleister: politisch exponierte Personen (PEPs), sowie Personen und Organisationen die mit Kriminalität, Geldwäsche und Terror in Verbindung gebracht werden. Durch Anti-Geldwäsche- und Korruptionsgesetze sind Banken dazu angehalten sich vorab zu informieren, mit wem sie Geschäfte machen. Besteht der Verdacht, dürfen sie sogar ein Basiskonto verweigern.

Die ausgewerteten Daten offenbaren nun, dass viele der gelisteten Personen und Organisationen dort wohl zu Unrecht stehen: Viele sind offensichtlich Unschuldige, das heißt oft Menschen und Organisationen, gegen die ergebnislos ermittelt wurde oder die umstritten und unbequem sind, aber nicht kriminell. Beispiele dafür sind die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die Tierschutzorganisation Peta, die Umweltschutzorganisation Greenpeace, Oppositionspolitiker unter anderem aus Sri Lanka und Eritrea sowie die amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning, deren Eintrag auf Finanz-Kriminalität verweist.

Personen und Organisation mit einem Eintrag bei World-Check müssen mit erheblichen Schwierigkeiten schon bei einfachen Bankgeschäften rechnen.  Auch spendenfinanzierte Organisationen müssen massive Nachteile beim Einwerben der Mittel befürchten.

Thomson-Reuters bewirbt seinen Dienst damit, dass neben Algorithmen auch 250 Analysten monatlich 25 000 neue Profile anlegen und 40 000 Profile auf den neuesten Stand brächten. Konfrontiert mit den Recherche-Ergebnissen, äußert sich der Konzern nur zurückhaltend und verweist auf Datenschutz-Gründe. Die World-Check zugrundeliegenden Informationen stammen demnach vor allem aus Hunderten Regierungs- und Justizdatenbanken, von Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden, der EU und den Vereinten Nationen. Weitere Informationen, etwa aus Weblogs, flössen nur zur Bestätigung anderer Erkenntnisse ein und seien klar gekennzeichnet. Die Erkenntnisse würden zudem von Teams spezialisierter Mitarbeiter zusammengeführt und abgeglichen.

Dennoch ist World-Check nach deutschem Recht problematisch, der Betrieb einer solchen Datenbank wäre „hierzulande so nicht zulässig“, sagt Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar. Es handle sich um eine Auskunftei, in der nur bestimmte und überprüfte Daten gesammelt werden dürften. Dass deutsche Unternehmen Daten bei World-Check abrufen, hält Caspar deshalb auch für rechtlich problematisch.

Datenleck bei "World-Check". Unschuldig auf der schwarzen Liste
von Jasmin Klofta und Christian Baars
tagesschau.de vom 24. Juni 2017

Gefangen auf der schwarzen Liste
von Jasmin Klofta und Stephan Radomsky
Süddeutsche Zeitung, 24./25. Juni 2017, S. 25
Online hier

Internationale Veröffentlichungen vom 24. Juni 2017:

UK / The Times of London
Innocent people added to terror blacklist
Tom Wills

USA / The Intercept
Flimsy Evidence and Fringe Sources Land People on Secretive Banking Watchlist
Cora Currier

Italien / Repubblica
La grande schedatura: oltre due milioni di persone tra i soggetti a rischio per banche e intelligence
Stefania Maurizi

Niederlande / Argos os, NPO Radio 1
Duizenden Nederlanders op gelekte zwarte lijst
Eveline Lubbers, Sanne Terlingen, Huub Jaspers
      
Niederlande / OneWorld

Duizenden Nederlanders op gelekte zwarte lijst
Eveline Lubbers, Sanne Terlingen, Huub Jaspers

Belgien /   De Tijd
Wat als u op de grootste zwarte lijst ter wereld staat?
Lars Bové und Emmanuel Vanbrussel

   


2017 - „Wozu Demokratie? Aufruhr in Minideutschland“

Im idyllischen Haßloch sind viele Menschen unzufrieden: Die Politiker seien unfähig, Probleme überall, die Verhältnisse ungerecht, heißt es hier. Haßloch - kein Ort ähnelt Deutschland in seiner Sozialstruktur so sehr wie Gesamtdeutschland. Warum ist die Demokratieskepsis auch in diesem "Minideutschland" angekommen?

ARD, Panorama
30 Min.
12. Januar 2017 21:45 Uhr
Autoren: Jasmin Klofta, Fabienne Hurst, Johannes Jolmes
Kamera: Andrzej Król, Fabienne Hurst, Florian Kössl
Grafik: Thorben Korpel, Oliver Ende
Schnitt: Marc Peschties
Sprecher: Lutz Ackermann


In den Bezirken Haßlochs, wo die Volksparteien sich immer auf Stammwähler verlassen haben, wird jetzt Protest gewählt. Die Mittelschicht will offenbar nicht mehr das so oft zitierte "demokratische Rückrat" Deutschlands sein. Das Gefühl "Die da oben machen doch eh, was sie wollen" grassiert - und mit ihm der Protest gegen das Establishment. Wie konnte es zu diesem Vertrauensverlust kommen?

Frankfurter Allemeine Zeitung
"Die da oben machen einfach alles falsch"
12. Januar 2017
Autoren: Fabienne Hurst, Jasmin Klofta





Weitere Infos:

Eine 45-minütige Fassung des Filmes lief am 01. März 2017 um 20:15 Uhr bei betrifft im SWR.
Eine Rezension des Filmes können Sie hier in der tageszeitung lesen.



2016 - #nacktimnetz

Internet-Nutzer werden durch Browser-Addons ausgespäht, wie NDR-Recherchen zeigen. Das ist unangenehm für Millionen Deutsche, betroffene Politiker kann es in ihrer Unabhängigkeit bedrohen. Die Datenspur führt bis ins Bundeskanzleramt.

Vertrauen ist für Politiker ein hohes Gut - im Gespräch mit Bürgern, bei der Vorbereitung von Sitzungen und im Umgang mit Interessensgruppen. Was aber, wenn alle Informationen zur Themenrecherche, zu Reisen, zu Gesprächspartnern offen im Internet zum Kauf angeboten werden? Nach Recherchen von Panorama wurden Bundespolitiker durch Browser-Erweiterungen ausgespäht. Das kann sie angreifbar machen und ihre politische Arbeit behindern.

Was das konkret bedeutet, zeigt der Fall von Valerie Wilms, Bundestagsabgeordnete der Grünen. Die Browser-Daten zeigen Reiseverläufe von Wilms, geben Hinweise auf ihre Steuerdaten und lassen Einblicke in ihre politische Arbeit zu: "Natürlich kann es schaden. Man wird damit durchaus erpressbar", sagte Wilms dem NDR. Sie fühle sich "nackt demjenigen gegenüber, der die Daten hat", so Wilms weiter.


ARD, Panorama
#nacktimnetz - Auch intime Details von Bundespolitikern im Handel

03. November 2016, 21:45 Uhr
Autoren: Jasmin Klofta, Svea Eckert
Mitarbeit: Jan Lukas Strozyk, Kian Badrnejad, Stefanie Helbig
Kamera: Sven Wettengel
Grafik: Thorben Korpel
Schnitt: Olaf Hollander


In den Daten tauchen auch Politiker auf, die in hochsensiblen Bereichen arbeiten: Helge Braun zum Beispiel, der CDU-Mann ist Staatsminister bei der Bundeskanzlerin. Er gilt als Vertrauter von Angela Merkel. Über den Computer eines seiner Mitarbeiter sind Brauns Informationen in den Datensatz gelangt. Den Politiker überrascht vor allem, "dass es oftmals ungeachtet der Unzulässigkeit des Datenabflusses schwierig ist, als Anwender diesen überhaupt nachzuvollziehen", wie Braun auf NDR-Anfrage sagte.

Betroffen ist auch Lars Klingbeil, netzpolitischer Sprecher der SPD,  der SPD-Politiker Frank Junge, Waltraud Wolff, Fraktionsvorstand der SPD und Annalena Baerbock (Grüne), Mitglied im Wirtschaftsausschuss. Der Europaparlamentarier Martin Häusling, ebenfalls von den Datensammlern bloßgestellt, reagierte geschockt: "Aus sowas kann ja jeder ablesen, an was ich arbeite, wo ich selber Recherchen mache, mit dem ich mich treffe."

Um an die Informationen zu gelangen, gründeten die NDR-Reporter eine Schein-Firma, die vorgeblich im "Big Data"-Geschäft aktiv ist. Gleich mehrere Unternehmen zeigten sich bereit, die Web-Daten deutscher Internet-Nutzer verkaufen zu wollen. Ein Unternehmen bot die nun ausgewerteten Daten schließlich als kostenlosen Probe-Datensatz an.

Allem Anschein nach wurden die Nutzer  über Browser-Erweiterungen, sogenannte Add-ons, erhoben: Diese kleinen Zusatz-Programme dienen sich als praktische Helfer an, doch einmal installiert, übermitteln sie im Hintergrund alle besuchten Seiten eines Nutzers an einen Server, wo die Daten zu Nutzerprofilen gebündelt werden. Durch Stichproben konnte der NDR eine dieser Erweiterungen ausmachen. Es handelt sich um das Programm "Web of Trust", kurz WOT. 

Meldungen zu #nacktimnetz

"Daten von Politikern ausgespäht", tagesschau.de, 03. November 2016
"Beliebte Browser-Erweiterung "WOT" späht Nutzer aus", tagesschau.de, 01. November 2016

Weitere Filme aus der Reihe #nacktimnetz:

NDR, Zapp
#nacktimnetz - Journalistenprofile im Verkauf

NDR, Panorama 3
#nacktimnetz - Millionen Internetnutzer ausgespäht

ARD tagesthemen
Kein Datenschutz: Der nackte Nutzer

ARD, tagesschau 20 Uhr
Millionen Nutzer ausgespäht


Die Recherche bei Netzwerk Recherche in Hamburg.


2016 - Selins Lüge. Opfer verschweigt Vergewaltigung zum Schutz von Flüchtlingen

Wenn sich Selin Gören selbst beschreibt, fallen Worte wie: sozialistisch, antifaschistisch, feministisch. Sie
ist im Vorstand von „Solid“ in Mannheim, der Jugendorganisation der Linken, fehlt auf keiner Demo gegen
Rassismus. Und ausgerechnet sie, die sich so für Flüchtlinge einsetzt, wurde Anfang des Jahres
vergewaltigt - vermutlich von Flüchtlingen.

ARD, Panorama
Selins Lüge
28. Juli 2016, 21:45 Uhr
Autorin: Jasmin Klofta
Kamera: Torsten Lapp
Schnitt: Kay Erich, Olaf Hollander




Doch bei der Polizei zeigt Gören zunächst nur einen Diebstahl an. Und als Täter beschreibt sie fälschlicherweise eine Gruppe von Männern, unter denen auch Deutsche gewesen sein sollen. Warum hat sie gelogen? Jasmin Klofta hat Selin Gören in Mannheim besucht und sie gefragt. 



2016 - Willkommen in der Wirklichkeit

Mitten in der hitzigen Debatte um die Flüchtlinge, macht ein Team von Panorama - die Reporter eine kühle Bestandsaufnahme der aktuellen Situation: Wie sieht es aus mit Arbeit, Schule oder Wohnen? Was muss passieren, damit es mit der Integration klappt? Wovor hat der deutsche Bürger Angst?

Mehr als zwei Drittel der Deutschen sind der Ansicht, dass die Integration von Flüchtlingen in Deutschland gelingen wird. Das ergab eine repräsentative Umfrage von Infratest dimap im Auftrag von Panorama. 52 Prozent der insgesamt 1.025 Befragten sind jedoch der Meinung, dass dafür eine Begrenzung des Flüchtlingsstroms nötig ist.

Reporterin Anja Reschke trifft auf viele falsche Erwartungen - sowohl auf Seiten der Flüchtlinge als auch auf der Seite von uns Deutschen. So begegnet die Panorama-Moderatorin dem ernüchterten Flüchtlingshelfer Wolfgang Frangenberg in Lemgo. Er bemüht sich, einer Gruppe von Syrern, Afghanen und Iranern die deutsche Sprache und Kultur nahezubringen: "Aber es ist schwierig", sagt Frangenberg, oft würden Vereinbarungen nicht gehalten und "Pünktlichkeit ist sowieso so eine Sache". Die Flüchtlinge, die er betreut, beteuern dagegen, sie wollten sich ja integrieren, seien mit ihren Gedanken aber bei der Familie in der Heimat.

NDR, Panorama - Die Reporter
Flüchtlinge und Helfer: Willkommen in der Wirklichkeit
01. März 2016, 21:15 Uhr
30 Min.
Autoren: Jasmin Klofta, Fabienne Hurst, David Hohndorf
Reporterin: Anja Reschke
Redaktion: Lutz Ackermann, Didi Schiffermüller
Kamera: David Hohndorf, Andrej Krol, Fabienne Hurst
Schnitt: Didi Müller


Ebenso der junge Afghane Jawed: Er ist Analphabet und hatte gehofft, in Deutschland arbeiten zu können, um seiner Familie helfen zu können. Die Realität aber ist ernüchternd: Er landete in einem Flüchtlingsheim auf der Nordseeinsel Amrum.

Dort ist er gemeinsam mit 13 anderen Flüchtlingen zum Nichtstun verdammt, wartet auf seine Papiere, von Arbeit keine Spur. "Was ich von Deutschland gedacht habe, war falsch", sagt er heute. "Jetzt will ich zurück, weil meine Familie allein ist und mich braucht."

Es ist ein Film über die Erwartungen der Flüchtlinge und die Erwartungen der Deutschen. Der Film wurde deshalb auch ins Arabische und Dari (bzw. Farsi) übersetzt. Diese Versionen kann man hier sehen.





2015 - Flüchtlinge. Deutschland schaut hin.

Unter dem Titel "Flüchtlinge - Deutschland schaut hin!" widmete sich das Erste im Rahmen eines Themenabends der Flüchtlingskrise. Den Auftakt bildete eine Panorama extra Sendung mit "Flüchtlinge - wie Deutschland mit ihnen umgeht". Danach diskutierte Hart aber Fair.

Sommer 2015. Städte, Kommunen und Bundesländer sind mit der Unterbringung von Flüchtlingen überfordert. Und die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, wächst stetig. Mehrere Wochen lang waren die Panorama Reporter in Deutschland unterwegs.

ARD, Panorama extra
Flüchtlinge - Deutschland schaut hin
31. August 2015, 20:15 Uhr
45 Min.
Autoren: Robert Bongen, Stefan Buchen, Jasmin Klofta, Anne Ruprecht, Johannes Jolmes, Philipp Henning
Schnitt: Didi Müller, Olaf Hollander, Paul Taegert



Dabei haben sie Bürgermeister kennengelernt, die alles geben, um die Flüchtlinge unterzubringen, ehrenamtliche Helfer, die vor Ort versuchen müssen, mit der Situation klarzukommen, Polizisten, die an den Grenzen Züge kontrollieren und dem Strom der Flüchtlinge oft hilflos gegenüberstehen; und auch überfüllte Flüchtlingsheime, in denen sich Stress und Gewalt entladen und Ausländerfeinde, die das Chaos als Rechtfertigung für ihre Hetze benutzen.

In einem Punkt sind sich fast alle einig: die Bundesregierung hat bisher kein Konzept, wie sie mit den drängenden Fragen der Flüchtlingsproblematik umgehen soll. Die Reporter von Panorama reisen durch ein Land im unerklärten Notstand. 


2015 - "Wir sehen uns in Deutschland". Protokoll einer Flucht.

Er hatte oft Todesangst, aber auch immer wieder unwahrscheinliches Glück: Fünf Monate lang war der 31-jährige Rami (Name von der Redaktion geändert) aus Syrien unterwegs, um nach Deutschland zu fliehen. Mehr als 4.000 Kilometer legte er zurück, passierte acht Grenzen. Auf seinem Weg machte Rami mit seinem Smartphone Fotos und kleine Videos - Reporter von Panorama erzählen die Geschichte aus seiner Perspektive.

ARD, Panorama
Ein syrischer Anwalt auf der Flucht
03. August 2015, 21:45 Uhr
30 Min.
Autoren: Alena Jabarine, Jasmin Klofta, Nino Seidel
Redaktion: Jochen Becker, Robert Bongen, Sven Lohmann
Schnitt: Sarah Steffen, Andreas Wilken-Keeve
Illustration: Omar Ayobi
Grafik: René Schaar, Andreas Werner
Sprecher: Julian Amershi, Julian Sengelmann

Die dazugehörige Multimedia-Doku findet man hier.

Zudem erzählten wir Ramis Geschichte seriell in vier Episoden bei Panoram 3 im NDR Fernsehen:

NDR, Panorama 3
Teil 1 - Protokoll einer Flucht
09. Juni 2015, 21:45 Uhr
Im türkischen Mersin trifft der Syrer Rami auf Schleuser Abu Suhaib und plant die Überfahrt nach Italien.

NDR, Panorama 3
Teil 2 - Protokoll einer Flucht
16. Juni 2015, 21:45 Uhr
Nach dem gescheiterten Versuch über Italien zu fliehen, steigt er in ein Schlauchboot und setzt nach Griechenland über. Wie soll es jetzt weitergehen? In Athen sucht er nach Möglichkeiten.

NDR, Panorama 3
Teil 3 - Protokoll einer Flucht
23. Juni 2015, 21:45 Uhr
Rami schlägt sich von Athen nach Thessaloniki durch und nimmt von dort den Landweg, die sogenannte "Black Route" durch den Balkan.

NDR, Panorama 3
Teil 4 - Protokoll einer Flucht
07. Juli 2015, 21:45 Uhr
Über Waldwege versucht Ramit nach Ungarn zu gelangen und wird verhaftet. Als er frei kommt will er nach Deutschland weiter. Doch es kommt anders, als er erwartet.


2015 - Big Boss is watching you: Verhaltenskontrolle durch Apps

Mit einer App überwachen Arbeitgeber die Gemütslage ihrer Mitarbeiter. Ausgewertet werden Stimmfrequenz, Handynutzung und Schlafverhalten - alles zum Wohle des Mitarbeiters, wie die App-Entwickler versichern.    





Wie schnell schlägt Dein Herz? Wie gut hast Du geschlafen? Wie viele Kilometer bist Du schon gelaufen? Fitness-Apps, Armbänder oder Smart Watches wie die neue Apple Watch sind der neue Milliardenmarkt. Sie messen tagsüber alle Aktivitäten, nachts die Qualität des Schlafes. Neun Millionen Deutsche überwachen sich nach einer Bitkom-Studie bereits selbst - durch einen Fitness-Tracker.

Ist der Benutzer faul, dann tadeln die Geräte: "Du hast Dein Bewegungsziel heute noch nicht erreicht!". Denn alle gesammelten Gesundheitswerte speichern die Hersteller der Fitness-Tracker und werten sie aus. Der Nutzer bekommt für seine Daten individuelle Analysen seiner Messwerte - und die personalisierte Erinnerung an ein gesundes Verhalten. Verhaltenskontrolle - für eine bessere Gesundheit.
Doch den Trend haben nun auch Versicherungen und Arbeitgeber für sich entdeckt. Schon jetzt teilen Versicherte oder Mitarbeiter persönliche Gesundheitswerte und optimieren ihr Verhalten  - gegen eine Belohnung oder einen Rabatt. Das Kalkül der Versicherungen und Arbeitgeber: Ein kranker Versicherter oder Mitarbeiter ist teurer als ein Gesunder.

Doch den Trend haben nun auch Versicherungen und Arbeitgeber für sich entdeckt. Schon jetzt teilen Versicherte oder Mitarbeiter persönliche Gesundheitswerte und optimieren ihr Verhalten  - gegen eine Belohnung oder einen Rabatt. Das Kalkül der Versicherungen und Arbeitgeber: Ein kranker Versicherter oder Mitarbeiter ist teurer als ein Gesunder.

Die Anwältin Laura Holmes, 28 Jahre, knallroter Mantel, dunkelroter Schal, eilt durch die Menschenmenge der Londoner Innenstadt. Ans Ohr hält sie ihr rosa Handy mit weißen Punkten. Holmes telefoniert mit einer Freundin, in ihrer Stimme liegt ein Lächeln. Es ist ein Lächeln, das auch die App in ihrem Smartphone registriert.

Holmes Arbeitgeber hat sie mit der App ausgerüstet, die ihren Gemütszustand überwacht: Die Anwaltskanzlei Wragge, Lawrence, Graham und Co, eine Großkanzlei mit über tausend Angestellten. Sie gehört zu den ersten Kunden von Soma Analytics, einem Start-up aus München. Firmengründer Johann Huber, 28 Jahre, hat eine App entwickelt, die verändern soll, wie Arbeitgeber mit ihren Arbeitnehmern umgehen. Huber sagt: „Der Arbeitgeber kann zum ersten Mal verstehen, wie sich Leute in der Firma fühlen.“

Hubers App analysiert nicht nur die Frequenz der Stimme von Holmes und wertet die mitschwingenden Emotionen aus. Das Programm wertet auch aus, wie sie mit ihrem Smartphone umgeht: Wenn sie etwa oft und schnell hintereinander nach neuen Nachrichten schaut, gibt das Auskunft darüber, wie gestresst sie ist. Auch der Schlaf wird getrackt: Wälzt sie sich vor einem wichtigen Termin im Bett herum, registriert das der Bewegungssensor des Smartphones und die Daten werden von Hubers Algorithmen ausgewertet. Hubers App will wissen, wie gestresst ein Mitarbeiter ist.

Holmes stört es nicht, dass ihr Arbeitgeber diese Informationen erhält. Sie findet: „Wenn es ein Problem gibt, sollte der Arbeitgeber davon wissen.“ Auch Arbeitnehmer könnten sich über seine App freuen, findet Soma-Analytics-Chef Huber: „Die Informationen, die Arbeitgeber bekommen, helfen ihnen, die Arbeitnehmer glücklicher und gesünder zu machen.“ Auf diese Weise könnten Arbeitgeber zudem Milliarden Euro einsparen, die durch die krankheitsbedingten Ausfälle der Mitarbeiter entstehen. Das Interesse ist stark: Im britischen Markt, auf den Huber sich derzeit konzentriert, gehören neben Anwaltskanzleien bereits Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Beratungen und Telekommunikationsunternehmen zu den Kunden. Auch BT, die britische Telekom, ist darunter. In Deutschland gebe es erste Testläufe, so Huber.

Holmes Arbeitgeber hat seinen Hauptsitz in einem der Glastower an der Themse. Bleddyn Rees, 53 Jahre alt, ist für die App zuständig. Er ist Partner in der Kanzlei und der Spezialist für Gesundheit. Die Entwicklung des Stresses der Mitarbeiter kann er mit ein paar Klicks auf einer Website aufrufen. Rees sagt, es gehe nicht darum, weniger belastbare Mitarbeiter auszusortieren. Vielmehr sollten mit den von der App aggregiert und anonymisiert gelieferten Daten Problemfelder identifiziert werden, um Krankentage zu reduzieren.

Huber ist nicht der Einzige, der auf das gestiegene Interesse der Arbeitgeber an der Gesundheit der Mitarbeiter setzt. Smarte Fitnessarmbänder und Schrittzähler-Apps halten Einzug in immer mehr Unternehmen. In den USA lassen Konzerne wie BP oder Yahoo die Schritte ihrer Mitarbeiter zählen. In Deutschland haben Opel, SAP oder IBM entsprechende Programme, um ihre Mitarbeiter zu mehr Fitness anzutreiben. Opel und SAP erklärten auf Anfrage, dass sie keinen Zugriff auf persönliche Daten von Mitarbeitern haben. IBM äußerte sich nicht.

Die Nachfrage ist so groß, dass Wearables-Anbieter begonnen haben, gesonderte Produkte für Arbeitgeber zu entwickeln. Die Firma Jawbone, einer der führenden Fitnesstrack-Hersteller weltweit, hat dafür das Programm „Up for groups“ entwickelt. Es basiert auf dem Up-Fitnessarmband, wie es Jawbone auch bisher verkaufte – nur dass der Arbeitgeber nun auch alle Informationen erhält, die die Mitarbeiter tracken.

Auch Konkurrent Fitbit will die Arbeitgeber dabei unterstützen, die Fitness ihrer Mitarbeiter genauer zu beobachten. Gareth Jones, Vizepräsident von Fitbit für Europa, sagt, das Angebot von Fitbit helfe den Unternehmen, Personalentscheidungen mit mehr Informationen zu treffen. Zugleich würden die Mitarbeiter aufmerksamer für ihre Gesundheit. Den Unternehmen verspricht er: „Sofort-Zugriff auf die Daten des gesamten Personals in Echtzeit sowie auf frühere, aufgezeichnete Daten.“


ARD, Panorama
Autoren: Jasmin Klofta, Tina Soliman
23. April 2015, 21:45 Uhr
Kamera: Torsten Lapp
Schnitt: Marc Peschties, Roman Mellar

Die Recherche wurde bei Panorama und in der Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau veröffentlicht.



Durch den Einsatz von Gesundheitsapps oder Fitness-Trackern erhalten Versicherungen und Arbeitgeber umfassende Informationen über den Gesundheitszustand ihrer Versicherten oder ihrer Mitarbeiter und können damit Risiken identifizieren: Arbeitgeber wollen kostenintensive Krankentage der Mitarbeiter reduzieren. Versicherungen arbeiten an möglichst effizienten Risikoberechnungen. Ein optimiertes Leben - es kann besser und gesünder sein. Doch wenn über Gesundheitsapps und Fitness-Tracker das Verhalten der Menschen kontrolliert und gesteuert wird, profitieren vor allem nicht die Benutzer, sondern andere: Versicherungen und Arbeitgeber.



2015 - Dresden heute, Rostock damals: was gelernt? Ein Kommentar ohne Worte.

ARD, Panorama
Dresden heute, Rostock damals: was gelernt?
29. Januar 2015, 21:45 Uhr
Autoren: Jasmin Klofta
Schnitt: Stephan Sautter






2015 - Ubers unheimliche Datenmacht

Uber-Deutschlandchef Fabien Nestmann nennt es im Interview mit ARD-Panorama "ein analytisches Spiel", was die Mitarbeiter des umstrittenen Fahrtenvermittlers mit den Daten der Nutzer trieben. Den Kunden des Fahrtendienstes dürfte das Spiel allerdings ungefähr so lustig vorkommen, wie von einem Stalker verfolgt zu werden. Die Mitarbeiter von Uber werteten nämlich aus, welche Nutzer wann und wo einen One-Night-Stand hatten, um damit ihre mächtigen Fähigkeiten zur Analyse der Nutzerdaten zu demonstrieren.

In einem inzwischen gelöschten Blogpost hat Uber das Vorgehen im März 2012 detailliert beschrieben: Um die Zahl der One-Night-Stands zu bestimmen, filterten Ubers Datenexperten Personen heraus, die am Wochenende eine Fahrt zwischen 22 Uhr abends und 4 Uhr nachts buchten - und dann eine weitere Fahrt in einem Radius von etwa 160 Metern des Absetzungspunktes vier bis sechs Stunden später anforderten. Aufgrund der Annahmen, wann Nutzer wo One-Night-Stands hatten, veröffentlichte Uber dann Karten von New York, San Francisco und anderen US-Städten, in denen der Bezirke mit besonders vielen One-Night-Stands rot eingefärbt wurden.

Die Karte von Manhattan und Brooklyn in New York City erstellte Uber aus einer Analyse der Nutzerdaten. Dabei versuchte Uber die Bezirke zu identifizieren, in denen Nutzer besonders viele One-Night-Stands hatten. Desto dunkler ein Bezirk eingefärbt sind, desto mehr "Rides of Glory" der Nutzer hatte Uber in dem Bereich identifiziert. Uber-Deutschlandchef Fabien Nestmann verteidigte das Vorgehen im Interview. Er sagte: "Man kann aus sämtlichen Auswertungen Rückschlüsse ziehen, die helfen können, das Angebot zu verbessern. Das ist Teil der Aktivität, die Uber machen muss und wird." Gelöscht werden die Nutzerdaten Nestmann zufolge nur, wenn ein Nutzer Uber dazu explizit auffordert. Die Sammlung der Nutzerdaten ist dem Uber-Deutschlandchef zufolge "Teil des Konzeptes" des Fahrtenvermittlers, in den die Risikokapitalabteilung von Google eine Viertelmilliarde US-Dollar investiert hat.

Digitalexperte Sascha Lobo sieht dagegen in der Auswertung einen Missbrauch der Nutzerdaten durch Uber. Im Gespräch ARD-Panorama und der "Berliner Zeitung" sagte Lobo, es sei eine neue Qualität, dass ein Taxiunternehmen sehr präzise sagen könne, ob und wie und wann man einen One-Night-Stand habe. Neu sei, dass nicht mehr nur der Fahrer irgendetwas mitbekommt, sondern Personen aus der Zentrale, mit denen man vorher nie in Kontakt gekommen sei. Lobo sagte: "Es ist dringend überfällig eine Diskussion darum zu führen, was sich alles mit diesen Daten anstellen lässt." Hinter der Auswertung der Daten steht das Ziel die Vorhersage-Algorithmen zum Einsatz der Uber-Fahrer zu optimieren. Nestmann sagte, Uber könne eine maximale Auslastung der Fahrer nur erreichen, wenn der Dienst die Nachfrage möglichst genau vorhersagen kann.

Prognostiziert Uber, dass Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen One-Night-Stand haben, so könnte dies in die Prognose mit einfließen, wo besonders viele Fahrten benötigt werden. Aus diesem Grund versuchte Uber auch herauszubekommen, in welchen Gebieten besonders viel Prostitution herrscht. Dazu analysierte der Konzern Verbrechensstatistiken, wie Uber in einem inzwischen ebenfalls gelöschten weiteren Blog-Beitrag beschrieb. In Gegenden, in denen besonders viel Prostitution vorkomme, werden nämlich überproportional viele Uber-Fahrten gebucht.

Um die Vorhersage zu optimieren, versucht Uber nicht nur zu analysieren, wohin sich Personen mit Uber kutschieren lassen, sondern auch, was sie vorhaben. In einem weiteren Blogpost wird ausgeführt: "Wir benötigen Informationen darüber, was das eigentliche Ziel der Menschen ist und nicht nur über den Ort, den Personen angeben, an dem sie abgesetzt werden möchten." Ubers Datenabteilung habe daher daran gearbeitet, welches Essen Uber-Passagiere bevorzugten und in welchen Hotels sie abstiegen. Nach eigenen Angaben erfolgreich: Der Konzern teilt mit, man habe Modell entwickelt, das in einem Test in 74 Prozent der Fälle das endgültige Ziel einer Person korrekt vorhersagen konnte.

Uber wolle niemanden "in Misskredit bringen", so Unternehmenssprecher Nestmann. Uber-Deutschlandchef Nestmann verweist darauf, dass solche Auswertungen mit aggregierten, anonymisierten Daten durchgeführt würden. Allerdings hat es wiederholt Fälle gegeben, in denen Uber-Mitarbeiter die Daten nutzen, um das Bewegungsmuster bestimmter Personen zu analysieren. Möglich macht dies ein internes Analysewerkzeug mit dem Namen "God View", übersetzt etwa "Blick Gottes".

So berichtet der Investor Peter Sims, dass er während einer Fahrt mit Uber in New York City plötzlich eine SMS von einer fernen Bekannten bekam, in der sie ihm schrieb, welche Straße er gerade passiert hatte. Uber hatte bei der Party des Konzerns zur Einführung des Dienstes in Chicago kurzer Hand einen Bildschirm installiert, auf dem die Uber-Fahrten bekannter Persönlichkeiten live mitverfolgt werden konnten.

"Uber ist nicht daran gelegen, Daten über irgendjemanden zu sammeln oder irgendjemanden in Misskredit zu bringen." Hinsichtlich der künftigen Analyse der Nutzerdaten verspricht Nestmann: "Natürlich wird sich Uber darauf konzentrieren, die sinnvollen Auswertungen zu machen."

Die Recherche ist gemeinsam mit Jonas Rest von der Berliner Zeitung entstanden. Das Interview mit Uber-Chef Nestmann führte Jasmin Klofta.

Die Recherche in der Presse (Auswahl)
Spiegel Online: Uber analysiert One-Night-Stands seiner Nutzer
FAZ: Warum analysiert Uber One-Night-Stands?
Die Welt: Uber veröffentlicht One-Night-Stand-Karten
Der Tagesspiegel: Mit Uber zum One-Night-Stand
Huffingtonpost: Uber analysiert One-Night-Stands seiner Nutzer
Computerbild: Uber erkennt One-Night-Stands seiner Nutzer
heise: Uber analysiert Fahrverhalten seiner Kunden nach One-Night-Stands



2015 - Schöne, neue Welt. Der Preis des Teilens

Die Share Economy will eine bessere, eine effektivere Welt schaffen. Die immer knapper werdenden Ressourcen sollen nicht sinnlos verschwendet werden. Menschen sollen via Internet gleichermaßen Zugang zu Dingen haben, ohne sie besitzen zu müssen: Sharing is caring, lautet ein beliebter Slogan der Branche. Doch was ist die Share Economy? Welches Weltbild prägt die milliardenschweren Konzernlenker, aber auch die Nutzer der schönen neuen Welt des Teilens? Welche Visionen haben sie? Und wie wollen wir leben?

Selbstbewusst fordern die neuen Gründer - ausgestattet mit Milliarden von Dollars - die Änderung von aus ihrer Sicht vorsintflutlichen Gesetzen und letztendlich die Abschaffung der in ihren Augen zerschlissenen Demokratie. Eine neue Zeit habe begonnen und diese funktioniere nach neuen Regeln. Regeln, die offenbar von Investoren und Bossen der Sharing-Unternehmen gemacht werden sollen. Voraussetzung für den Zugang zur schönen neuen Welt sind allerdings Besitz und Zahlungsfähigkeit: Nur wer eine Wohnung oder ein Auto hat, kann auch teilen, nur wer Dienstleistungen kostenpflichtig in Anspruch nehmen kann, kann die Angebote auch nutzen. Der Markt wird größer, der Verdrängungswettbewerb aggressiver.

Datenanalystin Yvonne Hofstätter hat selbst viele Jahre im Silicon Valley gearbeitet und verurteilt kreative Zerstörung nicht per se. Sie betrachtet die Share Economy als disruptive Kraft, als zerreißend, im fortschrittlichen Sinne als zerstörerisch, denn Neues brauche Platz. Doch die Datenanalystin sieht auch die Gefahr des Verlustes der Privatsphäre: "Unsere Daten werden ausgewertet, und schließlich werden Korrelationen hergestellt", so Hofstätter. Vom Bewegungsprofil bis hin zur Interpretation unserer Verhaltensweisen und Vorlieben sei alles lesbar.

Doch die totale Transparenz und damit das Verschwinden des Privaten ist für den amerikanischen Ökonomen Jeremy Rifkin kein Alptraum, sondern sogar erstrebenswert. Auch sei die Offenheit geradezu angelegt in der Natur des Menschen: "Menschen haben lange Zeit gemeinsam in großen Räumen geschlafen und sich aneinander geschmiegt - wie alle anderen Säugetiere auch. Wir haben die längste Zeit unserer Geschichte als soziale Wesen gelebt."

Diese Sicht der Technikwelt ist vom Glauben an das Gute geprägt. Doch die Tatsache, dass Daten verkauft und miteinander verknüpft werden, lassen Internetkritiker wie Evgeny Morozov die Entwicklung kritisch betrachten. Er befürchtet, dass der wahre Angriff der Share Economy nicht im Abhören intimer Geheimnisse besteht, sondern darin, dass wir gar keine Zeit mehr haben werden, welche zu haben.

ARD, Panorama
Schöne, neue Welt. Der Preis des Teilens
08. Januar 2015, 21:45 Uhr
30 Min.
Autoren: Jasmin Klofta, Tina Soliman
Kamera: Torsten Lapp
Schnitt: Wolf Krannich



Die Gefahr liege beim unkontrollierten Nutzungsmonopol durch die Datenbesitzer, einer kleinen Geld-Elite, die nicht den besten Ruf genießt, wie Digitalexperte Sascha Lobo meint: "Das Silicon Valley hat ein Arschlochproblem, denn viel von der disruptiven Kraft, die die Gesellschaft voran bringen könnte, wird von solchen Unternehmen ins Aggressive, ins Bösartige, ins Destruktive gewendet", so Lobo. Vizekanzler Sigmar Gabriel spricht gar von einem "ganz erzkapitalistischen Modell, bei dem nichts anderes passiert, als dass der Mensch bis in seine letzte Regung verwertbar gemacht wird".

Der deutsche Investor Peter Thiel meint hingegen pragmatisch, dass Politiker sowieso nicht mehr allzu viel auszurichten hätten: "Natürlich denken die Politiker, dass das, was sie tun, wichtig ist, und dass die Politik alle wichtigen Fragen der Gesellschaft entscheidet. Ich bin eher der Meinung, dass die Politik eigentlich nicht mehr sehr viel leistet und viel mehr von der Technologie kommen wird. Wir bauen eine bessere Welt, viel mehr durch die Technologie als durch die Politik", so formuliert Thiel das Heilsversprechen der digitalen Welt.

Der preisgekrönte Informatiker und Mathematiker Jaron Lanier - er hat den Begriff der "Virtuellen Realität" erfunden - warnt bereits vor einem technologiegetriebenen Turbokapitalismus: Dieser sei das Gegenteil von Freiheit. Statt der Rückkehr wahrhaftiger Gemeinnützigkeit drohe ihr Ende. Sharing is caring? Lanier spricht von einer "Fake Economy" - einer Schwindelindustrie - die von Gemeinschaft und altruistischer Hilfe rede, in Wirklichkeit aber auf der gnadenlosen Verwertung von Effizienzpotentialen beruhe.

Im Interview u.a. Star-Ökonom Jeremy Rifkin, Milliardär und Silicon Valley Investor Peter Thiel, Informatiker Jaron Lanier, AirBnb-Gründer Joe Gebbia, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Datenanalystin Ivonne Hofstetter, Blogger Sascha Lobo


Weiteres zum Film:

Die Debatte #fakeeconomy
Pro: So werden wir leben! Von Andrej Reisin
Contra: Wollen wir so leben?
Von Jasmin Klofta

"Privatheit wird zur Ware" - Evgeny Morozov, Publizist und profilierter Kritiker des Silicon Valley im Gespräch.   

"Das Silicon Valley hat ein Arschlochproblem" - Sascha Lobo spricht über die Rücksichtslosigkeit der Share Economy.